Frauenmuseum Meran

KORSETT

Von der Renaissance bis zum 1. Weltkrieg formt, verdreht und quält das Korsett den weiblichen Körper in vielen modischen, erotischen Arten. Das Korsett schnürt nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und engt den Lebensbereich der Frau auf das Heim und Herd ein. Doch nicht alle Frauen lassen dies über sich ergehen.
Wie hängt die Befreiung aus dem Korsett mit der ersten Welle der Frauenbewegung zusammen?

SPEZIALSCHUHE FÜR LOTUSFÜSSE

Je kleiner die Füße, desto schöner die Frau. In China war es lange Zeit Tradition, jungen Mädchen die Füße zu brechen und abzubinden. Das verbreitete Schönheitsideal eines kleinen Fußes (nicht länger als 10cm) und die damit verbundenen Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit stehen in enger Verbindung mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Frauen: schön, klein, zierlich, hilflos, unselbstständig.

GOLDENE ZWANZIGER

Die Goldenen Zwanziger sind ein kurzes Zeitfenster, in dem Frauen in städtischen Gebieten bisher ungekannte Freiheiten auskosten. Die „Neue Frau“ ist erwerbstätig, unabhängig, knabenhaft mit Bubikopf und Flapperkleid. Wie lange wird das wohl anhalten…?

DIE MACHO-MAMAS

Für viele berufstätige Frauen – ob verheiratet oder alleinstehend ist der Alltag eine nie-enden-wollende To-Do-Liste. Frauen setzen sich unter Druck, weil sie einem menschenunmöglichen Ideal der Super-frau entsprechen wollen, meint die Feministin und Soziologin Christina Mundlos. Was müssen und können wir ändern?

WEIBLICHER ERFINDERGEIST

Aus Ärger über ihre Angestellten, die beim Abspülen wertvolles Geschirr beschädigten, erfand Josephine Cochrane (1839-1913) im Jahre 1886 den ersten Geschirrspüler. Dafür gewann sie bei der Weltausstellung 1893 in ihrer Heimatstadt Chicago den ersten Preis für die beste mechanische Konstruktion.
Der Preis wurde allerdings „Herrn Cochrane“ verliehen, denn da Frauen bei der Weltausstellung nicht zugelassen waren, meldete sie sich unter diesem Namen an.

RICHTERINNENROBE VON DR.IN MARGIT FLIRI

1971 wird Margit Fliri als erste Frau Richterin in der Region Trentino-Südtirol. Bis 1963 gab es in Italien für Frauen ein gesetzliches Verbot diesen Zugang zu erhalten.

Shirin Ebadi

Shirin Ebadi (*21. Juni 1947 in Hamadan) ist eine iranische Juristin, erste iranische Richterin und Menschenrechtsktivistin. Sie erhielt 2003 als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis und lebt seit Ende 2009 im Exil in Großbritannien.

Olympe de Gouges

„Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Sie muss gleichermaßen das Recht haben, die Rednerbühne zu besteigen.“
Olympe de Gouges, Französische Menschenrechtlerin (1748-1793)
 

„PROBLEMZONEN“

Seit Jahrhunderten gibt es verschiedenste Idealvorstellungen vom weiblichen Körper. Im Wandel der Zeiten gehen diese buchstäblich durch „dick und dünn“. Heutzutage ist Schönheit zum „Schönheitswahn“ geworden. Der Traum vom perfekten Körper wird von der Schönheitschirurgie maßgeschneidert. Schönheitsideale – Fluch oder Segen?

Naomi Wolf

„Es gibt keine legitime historische oder biologische Rechtfertigung für den Schönheitsmythos; was er heute den Frauen antut, ist das Ergebnis von nichts Ungebührlicherem als der Notwendigkeit der heutigen Machtstruktur, Wirtschaft und Kultur, eine Gegenoffensive gegen Frauen durchzuführen.... Der Schönheitsmythos handelt überhaupt nicht von Frauen. Es geht um Männerinstitutionen und institutionelle Macht.“

Naomi Wolf (*1962) ist eine amerikanische liberal-progressive feministische Schriftstellerin und Journalistin

FREIHEIT; GLEICHHEIT; SCHWESTERLICHKEIT?

Warum wir in der Dauerausstellung unsere Erzählung der Frauengeschichte mit der Französischen Revolution beginnen? Weil Olympe de Gouges 1791 in ihrer „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ so mutig war zu verkünden: Menschenrechte sind auch Frauenrechte.
Wer macht Ihnen, wer macht dir Mut zur Veränderung?

DRITTE WELLE DER FRAUENBEWEGUNG

Seit den 1980er Jahren spricht man von einer dritten und vierten Welle der Frauenbewegung. Forderungen sind unter anderem: Gendergerechtigkeit, Akzeptanz von Gender, Race and Class, Rechte von Trans*Menschen (Geschlechtsidentität und Sexualität), nieder mit Imperialismus und Patriarchat (Rote Frauenkomitees)

SIMONE DE BEAUVOIR „DAS ANDERE GESCHLECHT“

In ihrem 1949 veröffentlichten Buch, schreibt Simone de Beauvoir den berühmten Satz „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Damit ist gemeint, dass man im Laufe des Lebens erst erlernt was es heißt eine Frau zu sein, wie man sich zu verhalten und auszusehen hat. Damit führt sie eine Unterscheidung zwischen Natur und Kultur ein: dem körperlichem Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender). Was bedeutet das für unser Verständnis von Frau-Sein, Mann-Sein und von Geschlecht im Allgemeinen?

ZWEITE WELLE DER FRAUENBEWEGUNG

Forderungen der zweiten Welle der Frauenbewegung: Recht auf Selbstbestimmung, aktives politisches Mitspracherecht, uneingeschränkter Zugang zu qualifizierten Arbeiten und Recht auf Schwangerschaftsabbruch (Mein Bauch gehört mir).

WONDERBRA

Der Wonderbra, der tief ausgeschnittene BH mit den dicken, steifen Körbchen ist Symbol für die körperliche und sexuelle Befreiung von Frauen. Frauen können heute tragen was sie wollen, Haut zeigen oder nicht, keine muss sich mehr in ein Korsett zwängen. Oder ist es doch nicht ganz so? Ist der Wonderbra nicht auch Symbol für die Sexualisierung von Frauenkörpern in den Medien, für vorgegebene Schönheitsideale, an die Frau sich anpassen muss, um als „weiblich“ angesehen zu werden? Die Geschichte einer Gratwanderung…

50ER JAHRE

Nachkriegszeit – Wiederaufbau – und Rückfall in traditionelle weibliche Rollenmuster? In einem Werbefilm von 1954 für Dr. Oetker heißt es, dass eine Frau im Leben nur 2 Fragen bewegen: „Was soll ich anziehen? – Und was soll ich kochen?“ Die Erfindung neuer Haushaltsgeräte erleichtert die tägliche Hausarbeit und gibt Frauen neue Freiräume. Gleichzeitig wird damit die natürliche Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter propagiert.

HAUSHALTSOBJEKTE

Haus(halts)arbeit nimmt früher wie heute, einmal mehr, einmal weniger Zeit in Anspruch. Was sich nicht verändert hat, ist, dass in Beziehungen oder Familien Frauen nach wie vor den größeren Zeitanteil in diese (unbezahlten) Arbeiten investieren. Was braucht es für eine gerechtere Aufteilung?

DRAG QUEEN IM BACKSTAGE-BEREICH VOR EINEM AUFTRITT

Die Fotografie aus der Werkgruppe „In Between“ der Grödner Künstlerin Vera Comploj zeigt den Augenblick der Verwandlung zu einer Drag Queen. Die Verwandlung eines Mannes in eine Frau für die anschließende Bühnenshow.

Kreuzgang

Der Kreuzgang des ehemaligen Klarissenklosters in Meran (erbaut 1309).

DIE PANTASTIK-BUSEN-ENTWICKLUNGS-KUR

Ein voller Busen macht Frauen schön. Um dies zu erreichen wurde in den 1970er Jahren die PANTASTIK-Busen-Entwicklungs-Kur entwickelt. Das Trainingsgerät samt Übungsheft sollte Frauen zum Ziel verhelfen. Wie viel Zeit investiert frau in die Modellierung ihres Körpers? Und sind es wirklich nur die Brüste, die sie zu einer schönen Frau machen?

International Association of Women’s Museums

Network of 96 Women's Museums
> [Visit our website](https://iawm.international/)

Ina Praetorius

„Wir hören auf, die unbezahlte Care-Arbeit als einen Sektor oder gar ein Randphänomen zu betrachten, das um die Aufnahme in eine ökonomische Theorie und Praxis bettelt, die im Wesentlichen gleich weiter funktioniert. - Wir stellen Care in die Mitte der Ökonomie. Denn da gehört Care hin. Ohne Care, ohne Fürsorge gibt es nämlich keine Menschen, und ohne Menschen braucht es keine Wirtschaft. Care ist das Zentrum allen Wirtschaftens.“

Ina Praetorius (*1956) ist evangelische Theologin und Schriftstellerin sowie theologische Geschlechterforscherin und feministische Ethikerin

Angebandelt – Ein Date mit der Schürze

Nicht nur in der Vergangenheit, auch in der heutigen Zeit werden Schürzen von verschiedenen Personen getragen: im Beruf genauso wie im Alltag. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt eines alltäglichen Kleidungsstücks.

Sie möchten die aktuelle Sonderausstellung virtuell besichtigen? Unterstützen Sie uns und erwerben Sie jetzt das Ticket für den vollständigen 3D-Rundgang.
Übrigens, das Online-Ticket gilt auch als Eintrittsticket bei Ihrem Besuch in Meran.

Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann

“Wenn die Vermeidung von Kriegen in Zukunft erreicht werden soll, kann auf die Stimme der Frau nicht länger verzichtet werden.“
Anita Augspurg (1857 – 1943) und Lida Gustava Heymann (1868 – 1943) sind zwei deutsche Pazifistinnen und Frauenrechtlerinnen der ersten Frauenbewegung.

UTERUS

Das ovale, orangefarbene Objekt in der Vitrine gibt Rätsel auf… Es ist ein gestricktes Gebärmuttermodell mit den Eierstöcken. Die Hebamme steckt eine Puppe hinein und erklärt damit werdenden Müttern den Geburtsvorgang.
Mit dem Uterus sind aber auch noch weitere Diskussionen verbunden, wie z.B. jene rund um die Hysterie oder jene rund um Gebärmutter-Transplantationen für Männer oder Trans*frauen. Aber wie zentral ist die Gebärfähigkeit für die Definition einer Frau eigentlich?

60ER UND 70ER JAHRE

Ein explosiver Generationenwechsel läutet einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel ein. Heute werden diese Jahre der Rebellion als „Die 68er-Bewegung“ zusammengefasst. Doch, dass Frauen innerhalb dieser Bewegung gesehen und ernst genommen wurden, war alles andere als selbstverständlich.
Wie haben sich Frauen in der Studentenbewegung Gehör verschafft – und was hat das alles mit der Tomate zu tun?

FRAUENMUSEUM MERAN

Das Frauenmuseum Meran wurde 1988 von Evelyn Ortner (verstarb 1997) gegründet und hatte seinen ersten Sitz unter den Lauben. Seit 2011 befinden sich die Räumlichkeiten in diesem historischen Bau am Kornplatz.
 

Adriana Cavarero

„Was eine Frau will, weiß ich nicht, auch weil ich versuche, Verallgemeinerungen und Universalisierungen zu vermeiden. Ich vermeide es, die Frau zu einer Essenz zu machen.“
Adriana Cavarero (*1947) ist eine italienische feministisch-politische Philosophin.

becoming me

KARRIEREFRAU

Die Karrierefrau zeigt sich selbstbewusst und souverän – die Schulterpolster in den Kleidern, Jacken, Mänteln demonstrieren Stärke. Nach außen sind die Frauen stark – zuhause darf sich nichts ändern. Doch Frauen-Empowerment ist in der Gesellschaft angekommen, Frauen erobern neue Handlungsräume in Kirchen, Parteien und Gewerkschaften. Die Anliegen sind noch nicht gelöst, aber in Arbeit: „work in progress“ – es geht voran!

Kimberlé Crenshaw

„Nehmen wir als Beispiel eine Straßenkreuzung, an der der Verkehr aus allen vier Richtungen kommt. Wie dieser Verkehr kann auch Diskriminierung in mehreren Richtungen verlaufen.
Wenn es an einer Kreuzung zu einem Unfall kommt, kann dieser von Verkehr aus jeder Richtung verursacht worden sein – manchmal gar von Verkehr aus allen Richtungen gleichzeitig. Ähnliches gilt für eine schwarze Frau, die an einer „Kreuzung“ verletzt wird; die Ursache könnte sowohl sexistische als auch rassistische Diskriminierung sein.“

Kimberlé Crenshaw (*1959) ist Rechtsgelehrte in Rassen- und Geschlechterfragen und Präsidentin des Berliner „Center for Intersectional Justice“

VON HAAREN

Haare sind seit jeher mit starken Bedeutungen versehen. Wie Frisuren gestaltet werden, sagt immer auch etwas über gesellschaftliche Verhältnisse und Konventionen aus. Sie dienen zwar zur Inszenierung des Selbst, aber auch zur Positionierung in der Gesellschaft – und zum Ausdruck von Rebellion. Welche Botschaften vermitteln Haare in der Geschichte und in der Gegenwart?

MUTTERKREUZ

Ab 1939 werden Frauen im Nationalsozialismus mit einem Orden, dem „Mutterkreuz“ geehrt – jeweils pünktlich zum Muttertag. Was sagen Auszeichnungen wie das Mutterkreuz oder die „Medaglia d’onore per le madri di famiglie numerose“ über das Bild der Frau in dieser Zeit aus?

FASCHISTISCHE FAMILIE

Bild einer Familie im Faschistischen Italien.
Mutterschaft – „Das Schlachtfeld der Frau“ (A. Hitler)
„Der Krieg ist für den Mann wie die Mutterschaft für die Frau“ (B. Mussolini)

WIE VIEL VERDIENEN FRAUEN?

Weltweit sind viele Frauen inzwischen berufstätig. Aber weltweit verdienen Frauen weniger als Männer. Aus diesem Grund wird in der ganzen Welt an einem „Equal Pay Day“ auf die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenlohns zwischen Männern und Frauen in der Wirtschaft (Gender Pay Gap) aufmerksam gemacht.

Fachbibliothek

In der Fachbibliothek des Frauenmuseums werden Bücher und Zeitschriften rund um Frauen- und Genderthemen gesammelt. Die Bibliothek ist nicht öffentlich zugänglich, kann aber auf Anfrage konsultiert werden.

WER WIR SIND

1993 wurde der Verein „Frauenmuseum – Die Frau im Wandel der Zeit“ gegründet, der das Frauenmuseum bis heute führt. Das Frauenmuseum sieht sich als Ort des Austausches, der Diskussion, der Anregung, der offen für alle ist. Wir möchten informieren und sensibilisieren, Fragen aufwerfen und provozieren, erinnern und zum Lächeln bringen!

ERSTE WELLE DER FRAUENBEWEGUNG

Forderungen der ersten Welle der Frauenbewegung: Erwerbsarbeit, Frauenstudium, Frauenwahlrecht, neue sittliche Grundlagen.

GLÄSERNE DECKE

Frauen haben heute eine sehr gute Bildung und berufliche Ausbildung. Sie sind kompetent, zuverlässig, arbeiten sach- und zielorientiert. In höheren und Führungspositionen gibt es allerdings immer noch geschlechtsspezifische Hürden. Wie können es mehr Frauen schaffen, diese geschlechtsspezifischen Hürden zu überwinden und die „Gläserne Decke“ zu durchbrechen, die bildhaft, zwischen mittleren und oberen Führungspositionen besteht?

Aufzug

> Zum [Museumseingang](https://my.matterport.com/show/?m=KEgBJDgaRfw&play=1&lang=de&title=0&sr=-3.11,.18&ss=244) im 3. Stock