Burg Hocheppan

Burgkapelle und Fresken

Die Kapelle ist das älteste Gebäude auf Burg Hocheppan und war ursprünglich der Hl. Maria Magdalena geweiht. Um 1210 ließ Graf Ulrich III. die Kapelle mit Fresken verzieren, die Einflüsse der byzantinischen Kunst zeigen, wahrscheinlich inspiriert durch seine Reisen ins Heilige Land. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der klugen und törichten Jungfrauen, ein beliebtes mittelalterliches Motiv, das den Umgang mit Tugend und Sünde veranschaulicht. Die Fresken gehören zu den ältesten und besterhaltenen ihrer Art in der Region und machen die Kapelle zu einem einzigartigen kunsthistorischen Schatz.

Der Kreidenturm

Der Kreidenturm liegt unterhalb der Burg auf einer Höhe von 538 Metern und diente als Alarmturm zur Warnung vor Angreifern. Der Name leitet sich von „kreyen“ ab, was „schreien“ bedeutet und auf die Funktion des Turms hinweist. Er ist rund 34 Meter hoch und von einer Schutzmauer umgeben. Der Zugang erfolgte über einen Eingang in etwa drei Metern Höhe, was den Turm schwer zugänglich machte. Errichtet wurde er um 1230, etwa 100 Jahre nach der Gründung der Burg, und verdeutlicht die Wichtigkeit von Burg Hocheppan als strategischem Außenposten. Bei nahender Gefahr verständigte man sich mit weit sichtbaren Feuerzeichen in der Nacht und am Tag entzündete man feuchtes Holz, um Rauchzeichen zu geben.  

Lage und Zugang zur Burg

Der Weg zur Burg Hocheppan führt durch die mediterran geprägte Landschaft Eppans, wo typische Pflanzen wie Zypressen und Steineichen gedeihen. Bei feuchtem Wetter lassen sich am Morgen gelegentlich Feuersalamander beobachten, ein Hinweis auf die Naturbelassenheit dieser Umgebung. Historisch war der Weg zur Burg jedoch deutlich steiler und herausfordernder als heute. Der Fußweg bietet Ausblicke ins Etschtal, welches früher eine bedeutende Zollstation war. Diese Lage machte Hocheppan zu einem wertvollen strategischen Punkt und finanzielle Einnahmequelle für die Grafen von Eppan.

Baustil und Besonderheiten

In der Burg Hocheppan vereinigen sich landschaftliche Schönheit und die Romantik einer mittelalterlichen Burganlage. Eindrucksvoll ist der Bergfried mit seiner fünfeckigen Form, der zeitweise noch aus dem 12. Jahrhundert stammt. Höhepunkt in kunsthistorischer Hinsicht ist die Burgkapelle von Hocheppan mit ihrem wertvollen romanischen Freskenzyklus. Sie wird auch die "Sixtinische Kapelle der Alpen" genannt.

Burgschenke Hocheppan

Die Burgschenke Hocheppan ist täglich zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr geöffnet (Mittwoch Ruhetag). Der Fokus der Speisekarte liegt auf den für Südtirol typischen Knödeln, passend zu den Fresken in der romanischen Burgkapelle, welche die sogenannte „Knödelesserin“ darstellen. Neben diesem schmackhaften Tiroler Gericht gibt es Klassiker wie Brettlmarende, Gulasch, Polenta und hausgemachte Kuchen. Verschiedene Themenwochen verwöhnen die Besucher mit saisonalen kulinarischen Schmankerln. Auch eine Auswahl an erlesenen Eppaner Weinen und erfrischenden Getränken für den durstigen Wanderer darf natürlich nicht fehlen.

Bogenparcours

Beim burgeigenen 3D Bogenparcours mit insgesamt 28 lebensgroßen Tieren sind Spannung und mittelalterliches Erlebnis garantiert. Auch für Anfänger und Kinder ab 6 Jahren geeignet!Für den kompletten Bogenparcours benötigt man ca. 3 Stunden.Preise: Bogenparcours € 10,00 | Bogenparcours inkl. Ausleihe von Pfeil und Bogen € 20,00

Geschichte der Burg Hocheppan und die Grafen von Eppan

Burg Hocheppan wurde im 12. Jahrhundert auf einem Porphyrsporn errichtet und galt schnell als eine der mächtigsten Befestigungen Südtirols. Sie diente dem Schutz und der Kontrolle des Überetsch und des Etschtals, welches eine wichtige Handelsroute bildete. Die Burg gehörte den Grafen von Eppan, einer der einflussreichsten Adelsfamilien des Alpenraums, die durch verwandtschaftliche Verbindungen weitreichenden politischen Einfluss genoss. Die Eppaner kontrollierten große Gebiete von Südtirol bis Istrien und vom Bodensee bis zur Etsch. Ein besonders herausragender Vertreter war Graf Ulrich III. von Eppan, der als mutiger Kreuzritter bekannt war. Um 1210 ließ er die Kapelle der Burg mit kostbaren Fresken ausschmücken, um nicht nur die Burg zu verschönern, sondern auch seinen christlichen Glauben und kulturellen Einfluss zu unterstreichen. Ulrichs Teilnahme an den Kreuzzügen führte dazu, dass byzantinische Einflüsse in die Kunst der Burgkapelle Einzug hielten. Die Eppaner standen jedoch immer wieder in Konflikt mit anderen Adelsfamilien, insbesondere mit den Tiroler Grafen und dem Bistum Trient. Ihr Einfluss begann zu schwinden, als sie im Jahr 1158 eine päpstliche Gesandtschaft überfielen – ein schwerer politischer Fehler, der zur Schwächung ihrer Macht beitrug. Das Geschlecht der Eppaner starb schließlich aus, und Hocheppan ging durch Heirat und Erbe an andere Adelsfamilien über, darunter die Herren von Taufers und die Tiroler Landesfürsten. Später wurde die Burg an die Eppaner Familie Fuchs von Fuchsberg vergeben, die sie bis ins 19. Jahrhundert hielt. Heute erinnert die beeindruckende Anlage mit ihrer strategischen Lage, den Verteidigungsbauten und der kunstvollen Kapelle an die einstige Bedeutung der Grafen von Eppan und ihre prägende Rolle in der mittelalterlichen Geschichte Südtirols.

Der Bergfried

Der Bergfried gehört zum ältesten Teil der Burg und wurde um 1162/64 erbaut. Er wurde zum Schutz der inneren Burg auf dem höchsten Punkt des Burgberges errichtet. Der Turm war anfangs noch nicht fünfeckig, sondern hatte die Form eines unregelmäßigen Vierecks. Er wurde aus großen, schön gehauenen Steinen und Eck-Buckelquadern errichtet. Den Eingang zum Turm erreichte man über eine lange Leiter. Der junge Graf Ulrich III. ging um ca. 1200 daran, die Burg zu erweitern und zu verschönern. Als erstes sollte der Bergfried erhöht und mit einem Wehrgang versehen werden. Wahrscheinlich brach aber der nordwestliche Teil unter der Last zusammen. Daraufhin wurde die Außenmauer ordentlich verstärkt, deshalb auch die fünfeckige Form. An der östlichen und südwestlichen Seite sieht man noch die Bruchstelle, wo die Mauern nicht genau zusammengefügt wurden. Man kann auch den Unterschied des Mauerwerkes erkennen: Das alte ist viel sorgfältiger und schöner ausgeführt, beim neuen ging es nur mehr um die Sicherheit.  

Der Ziehbrunnen

Für eine Burg war es natürlich von größter Wichtigkeit, dass man mit ausreichend Wasser versorgt war, beispielsweise bei einer länger dauernden Belagerung. Hierfür wurde auf Hocheppan ein Brunnen gebaut, in welchem Regenwasser aufgefangen wurde. In den Porphyr Felsen wurde ein 9 m tiefer und 3 m breiter quadratischer Schacht geschlagen, zur damaligen Zeit ein Mammutwerk. In die Mitte setzte man einen runden Schacht mit kleinen Löchern und zwischen Schacht und Porphyr gab man Sand als natürlichen Filter für das einfließende Regenwasser. Der Ziehbrunnen fasste ca. 6.500 Liter Wasser, welches mit Eimern hochgezogen wurde (deshalb auch der Name Ziehbrunnen).  

Die Jaggdszene

Eine ungewöhnliche Szene zeigt einen Edelmann auf einem Pferd, der mit Hunden einen Hirsch verfolgt. Die Bedeutung dieser Jagdszene bleibt bis heute ungeklärt, was sie besonders faszinierend macht. Einige sehen in ihr ein Symbol für die menschliche Seele, die von Versuchungen verfolgt wird, während andere an den „Höllenritt“ des Ostgotenkönigs Theoderich denken. Diese Szene könnte aber auch auf den mittelalterlichen Adelsstand anspielen, da die Hirschjagd als edelste Form der Jagd galt. Im frühen 14. Jh. wurden die Hunde zu einem Drachen umgestaltet, der Hirsch übertüncht und dem Reiter Speer und Schild in die Hand gedrückt. So wurde der jagende Edelmann zum Hl. Georg umgestaltet. Die zweite Schicht wurde als „secco“ über das erste Bild gemalt, also auf die trockene statt auch die feuchte Wand. Deshalb ist sie heute schlechter erhalten als die Jagdszene.  

Die Kreuzigung Christi an der Nordfassade

Christus hängt am Kreuz zwischen Maria und Johannes. Hinter ihnen stehen zwei Soldaten, jeweils mit einem Essigschwamm und einer Lanze. Im oberen Bereich sind neben dem Haupt des Gekreuzigten Sonne und Mond zu sehen, die die Anteilnahme des Kosmos am Tod Jesu zeigen.  

Christophorus an der Nordfassade

Zeitgleich mit der Übermalung der Jagdszene wurde die Christophorus-Malerei neben der Tür gefertigt. Der Hl. Christophorus wird sehr häufig so dargestellt, wir finden solche Bilder nicht nur an Kirchen und Kapellen, sondern auch an profanen Gebäuden wie Wohnhäusern. Der Christophorus ist bis heute einer der beliebtesten Heiligen. Und das obwohl der Hl. Christophorus eigentlich ein von der Kirche abgeschaffter Heiliger ist. Wegen nicht ausreichender historischer Nachweise wurde er aus dem liturgischen Kalender gestrichen. Was macht diesen Heiligen aber so populär? Im Mittelalter glaubte man, dass wer immer einen Blick auf den Christophorus warf, an dem einen Tag nicht plötzlich stirbt. Im Mittelalter ging es ganz besonders darum, nicht einen plötzlichen Tod zu sterben. Man glaubte, dass im Moment des Sterbens der Teufel auf dem Totenbett ein letztes Mal um die Seele kämpfte. Wer nicht gut vorbereitet war – im Falle eines plötzlichen Todes – hatte möglicherweise eine mit Sünde befleckte Seele und hatte weniger Chancen, vor dem letzten Gericht zu bestehen.  

Das Gleichnis der klugen und törichten Jungfrauen

Die Fresken der Jungfrauen an der Ostwand erzählen das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen: Die klugen Jungfrauen halten ihre Lampen bereit und werden von Christus gesegnet, während die törichten Jungfrauen außen stehen und das verschlossene Tor betrachten. Dies war ein beliebtes Thema im Mittelalter und symbolisierte die Bedeutung des rechten Glaubens und der Wachsamkeit, um in das Paradies eintreten zu dürfen. Die fein gearbeiteten Figuren zeigen die hohe Kunstfertigkeit der Maler und die lebendige Symbolik der damaligen Zeit.

Das Lamm Gottes und Johannes der Täufer

In der linken Apsis befindet sich eine Darstellung des Lamm Gottes, begleitet von Johannes dem Täufer. Johannes ist in einem typischen Fellmantel dargestellt, und das Lamm symbolisiert Christus als Opferlamm für die Menschheit. Diese Darstellung erinnert an Johannes’ zentrale Rolle als Vorbote Christi und Täufer, der mit seiner Predigt die Ankunft Jesu ankündigte. Die Freske verleiht der Kapelle eine sakrale Atmosphäre und betont die Bedeutung der biblischen Erzählungen für die Gläubigen.  

Taufe Jesu und Hochzeit zu Kanaan

Zwei Fresken an der Südwand zeigen die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer und die Hochzeit zu Kanaan, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt. Die Taufe symbolisiert die Bedeutung der Reinigung und Erlösung im Glauben, während die Hochzeitsszene die göttliche Macht Jesu in alltäglichen Ereignissen betont. Besonders die Hochzeit zu Kanaan verdeutlicht, wie Wunder und Freude des Lebens in der Kunst und Religion des Mittelalters ineinanderfließen.  

Verkündigung an Maria

Das Fresko der Verkündigung an Maria zeigt den Erzengel Gabriel, der Maria segnet und die Geburt Jesu ankündigt. Maria ist mit einer Spindel dargestellt, was eine typische Darstellung ihrer häuslichen Pflichten ist. Die innige und zugleich feierliche Szene ist ein herausragendes Beispiel für die romanische Kunst und zeigt den starken Einfluss byzantinischer Stilmerkmale, die den Figuren Ausdruck und Intensität verleihen.  

Geburt Christi und die „Knödelesserin“

In der Darstellung der Geburt Jesu ist Maria liegend zu sehen, während eine Magd im Vordergrund Essen über dem Feuer zubereitet – die sogenannte „Knödelesserin“. Dieser eigenwillige Bildausschnitt wird oft als Missinterpretation durch den Maler erklärt, der möglicherweise einen falschen Bezug zu den Gaben der Heiligen Drei Könige herstellte. Diese Szene ist eine Besonderheit und vermittelt gleichzeitig die Bodenständigkeit und Alltagsnähe mittelalterlicher Darstellungen.  

Der Kindermord von Bethlehem

An der Nordwand ist eine dramatische Szene des Kindermords von Bethlehem dargestellt. König Herodes gibt den grausamen Befehl, und das Fresko zeigt die Schrecken dieser Tat. Diese Szene ist ein symbolisches Bild für die Unschuldigen, die für die Machtgier geopfert werden, und zugleich eine der eindringlichsten Darstellungen der Passion Christi. Die Szene hat sich als intensives Beispiel für mittelalterliche Emotionalität und Symbolkraft erhalten.  

Christus und die Apostel

Oberhalb der drei Apsiden thront Christus, umgeben von den Aposteln in Dreiergruppen. Christus wird als Halbfigur dargestellt und hebt sich durch seine Größe und den segnenden Gestus von den Aposteln ab. Diese Darstellung symbolisiert die Überlegenheit und Allmacht Christi als Lehrer und Retter der Welt. Die Apostel, teils mit Büchern oder Schriftrollen, sind aufwendig auf verzierten Thronen platziert, was ihre Bedeutung als wichtigste Jünger Jesu unterstreicht.  

Thronende Muttergottes mit Kind

Über dem Altar thront die Muttergottes mit dem Jesuskind, flankiert von zwei Erzengeln, die Sphairen als Symbole der Weltherrschaft Christi in den Händen tragen. Diese Darstellung von Maria als Herrscherin und Mutter Christi ist typisch für die byzantinisch beeinflusste Kunst der Romanik. Sie veranschaulicht die Rolle Mariens als Vermittlerin zwischen den Gläubigen und Gott und zeigt das hohe Ansehen, das ihr im Mittelalter zugeschrieben wurde.  

Dreikönigszyklus

Am Beginn der Nordwand ist ein umfangreicher Dreikönigszyklus (die Könige des Herodes, der Traum der Könige, die Heimreise der Könige) zu sehen. Bemerkenswert ist die Darstellung von König Herodes, der sitzend und mit gekreuzten Beinen abgebildet ist. Auf die Frage der Drei Könige zum neuen König der Juden antwortet er, dass er nichts von einem neuen König weiß. Mit seiner Hand macht er aber deutlich, dass er der König ist. Mit der anderen Hand scheint er die Heiligen wegzuschicken, um diesen neuen König zu suchen. Nach dem Traum der Drei Könige, in dem sie gewarnt werden, zu Herodes zurückzukehren, flieht einer der Drei Könige aus der Stadt (frontale Darstellung von Pferd und Reiter).  

Kunsthistorische Führungen

Die Burg Hocheppan und ihre Kapelle können im Rahmen geführter Besichtigungen im 30-Minuten-Takt von 11:00 bis 16:30 Uhr an folgenden Tagen besucht werden: -5. April 2025 – Juli: Donnerstag bis Sonntag -August: Donnerstag bis Montag -September – 9. November 2025: Donnerstag bis DienstagZu folgenden Uhrzeiten: -Zur vollen Stunde: Burgführung -Zu jeder halben Stunde: Kunsthistorische Kapellenführung Sonderführungen für größere Gruppen oder außerhalb dieser Zeiten sind auf Anfrage möglich. Die Führungen finden in deutscher, italienischer und englischer Sprache statt. Nähere Informationen zu den Führungen erhalten Sie beim Tourismusverein Eppan unter info@eppan.com oder telefonisch unter der Nummer +39 0471 662206.  

Die Barbakane

Vor der Burg befindet sich eine ¾ runde Barbakane, die einst durch einen Holzboden in zwei Stockwerke unterteilt war. Hierbei handelt es sich um ein Vorwerk zur Deckung des Zugangsweges. Was man heute noch sieht sind zwei Reihen mit je sieben Schlüsselschießscharten mit konischer Öffnung. Sie sind diagonal versetzt und dienten zum Abfeuern von Feuerwaffen. Die Scharten konnten mit Holztafeln seitlich aus der Mauer geschlossen werden. Warum aber ist die Barbakane auf einer Seite offen? Die Öffnung zur Burg hin diente als schneller Fluchtweg. Die Söldner bekamen dabei Schutz durch die Wehranlagen im 2. Zwinger.  

Sage vom „Goldenen Kegelspiel“

Einige Hirtenbüblein weideten den Sommer über ihre Ziegen in der Nähe von Hocheppan. Eines Tages, nachdem sie nun schon so lange dort oben waren, trauten sie sich endlich die Burg zu betreten. Von Neugierde gepackt, begannen sie sogleich den gesamten Hof zu durchstöbern und durchsuchten jede Ecke und jeden Winkel. Dabei wurden sie auf eine alte, verrostete Eisentür aufmerksam. Mit vereinten Kräften ruckten und zogen sie daran, bis diese unter lautem Knarren endlich nachgab und einen langen, dunklen Gang dahinter freigab. Neugierig, was sich wohl am Ende dieses Tunnels verbergen mochte, konnten sich die Buben nicht mehr halten und krochen sogleich hinein. Nachdem sie auch eine zweite Tür mit vereinten Kräften geöffnet hatten, fanden sie sich am Ende des Ganges in einem alten, geräumigen Gewölbe wieder. Dort sahen sie an der Wand aufgereiht ein goldenes Kegelspiel und verfielen sogleich in freudiges Gejubel. Die Buben schnappten sich Kegeln und Kugeln und wollten damit wieder denselben Weg zurückgehen. In diesem Moment fingen jedoch die Burgmauern an zu krachen und zu poltern und der Boden unter ihnen begann zu knirschen und zu ächzen. Von Angst gepackt, warfen die Buben das Kegelspiel hinter sich, und stoben in den Gang, um nur schnell den Ausgang zu erreichen. Doch sie konnten diesen nicht mehr finden, hatte es in St. Pauls doch bereits zu Abend geläutet. Verzweifelt irrten sie umher, mussten aber bis zum Betläuten in der Früh warten, damit sich die Eisentüren wieder öffneten. Glücklich stürmten sie sodann ins Freie. Das Kegelspiel jedoch verschwand wieder und wurde nie wieder gesehen.